Der Tagesspiegel

Die Mädchen sind geradezu erschreckend perfekt: Zehn, elf Jahre alt, zierlich und klein, die langen schwarzen Haar hinter die Ohren gesteckt, treten sie eine nach der anderen in den Raum und beginnen ihre Geschichte zu erzählen. Dazu bewegen sie zeitlupenhaft die Hände. Jede ist Ann Lee, eine Manga-Figur aus einem japanischen Videospiel, die von der Animationsindustrie eigentlich schon ausgemustert war. Der Berliner Künstler Tino Sehgal rettete sie vor fünf Jahren aus dem virtuellen Dasein hinüber in die Realität und lässt sie seitdem immer wieder in Ausstellungen auftreten, jedes Mal verkörpert durch andere Darstellerinnen. Rekrutiert werden sie wochenlang vorher am jeweiligen Ort.